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Was ist Qigong

WAS IST QIGONG?

Qigong (sprich: Tschi gung) bedeutet übersetzt „Energiearbeit“. Qigong ist aus den Begriffen QI und GONG zusammengesetzt. QI, ein sehr vielschichtiger Begriff in der chinesischen Sprache, soll hier mit Energie im Sinne von „Lebensenergie“ und „Lebenskraft“ übersetzt werden. GONG bedeutet so viel wie Arbeit, etwas tun, etwas vollbringen. GONG kann auch „Können“ im Sinne von Geschicklichkeit bedeuten, wobei diese Geschicklichkeit bis zur Meisterschaft durch konsequentes Üben ausgebaut werden kann.
Im Qigong werden also ganz bestimmte Übungen ausgeführt, die uns befähigen, unsere Lebensenergie zu bearbeiten um sie zu erhalten, zu verbessern und schließlich – mit entsprechender Praxis und Vertiefung – auch zu meistern.

Die Wortschöpfung Qigong entstand in China im Jahr 1956 auf einer Zusammenkunft von Fachleuten der Energiearbeit in Peking. Von den aus allen Landesteilen Chinas zusammen gekommenen „Meistern der Energiearbeit“ wurden jahrhunderte- und jahrtausende alte Gesundheitsübungen aus den unterschiedlichsten Quellen und Familientraditionen vorgestellt, begutachtet und deren Wirkungen besprochen. Es war dies ein wegweisendes Treffen, weil man sich erstmals im großen Rahmen und unter Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit über die früher meist geheim gehaltenen Übungen austauschte. So einigte man sich auch auf den Namen Qigong als allgemeinen Oberbegriff für die traditionellen Gesundheitsübungen. Früher hatte man die Übungen je nach Herkunft beispielsweise mit:
„Übungen zur Lebenspflege“,
„Die Lebensenergie lenken und leiten“,
„Übungen zurück zur Jugend“ und ähnlich benannt.
Konkret werden einzelne Übungsfolgen aber auch heute noch so bezeichnet.

Wie aus den alten Bezeichnungen ersichtlich, geht es bei allen Qigongformen immer darum, die menschliche Lebensenergie zu beeinflussen. Eine solche Beeinflussung kann zum einen aus Kranksein heraus zur Gesundung und Gesundheit im medizinischen Sinne zurückführen, indem Widerstandskräfte aufgebaut werden, damit die Krankheit schneller und besser überwunden wird.
Zum anderen können wir durch QIGONG aber auch wieder in die Einheit von Körper, Psyche/Seele und Geist kommen und in Harmonie mit uns selbst und mit unserer Umwelt leben. Im Einklang mit unserer Umwelt zu leben bedeutet denn auch, dass wir die uns umgebenden Energien der Natur als Leben spendend und nährend erkennen, sie achtsam nutzen, pflegen und bewahren. So hatten und haben die Übungen auch immer einen über das Gesundwerden hinaus gehenden Aspekt, der uns im spirituellen Sinn zur inneren und äußeren Harmonie weiterzuentwickeln vermag.

Der Harmoniebegriff spielt in der östlichen, chinesischen Kultur und in der Traditionellen Chinesischen Medizin/ TCM eine ganz besondere Rolle.
So lehrt die Traditionelle Chinesische Medizin, dass Beeinträchtigungen des Befindens immer auf energetische Probleme zurückgeführt werden können. Durch diese energetischen Störungen wird der Menschen aus der Harmonie seiner Energien herausgeführt mit der Folge, dass sich nach und nach psychische, geistige und schließlich auch körperliche, organische Störungen entwickeln können.
Daher ist es auch treffender von „Kranksein“ statt von „Krankheit“ zu sprechen, weil der Weg heraus aus der vormaligen Harmonie aller Energien durch Befindensstörungen gekennzeichnet ist und nicht sofort durch klinische Befunde, die mess- und zählbar sind. Organisch manifestierte Befunde stehen am Ende einer langen Reihe von Befindensstörungen, die mit ihrem Prozesscharakter das Kranksein ausmachen.
So bedeutet „Gesundsein“ für uns Menschen, dass wir uns wohl fühlen, dass sich die Energien in unserem Körper ausgewogen entwickeln und immer ausreichend vorhanden sind. Tritt eine Störung im Energiekreislauf auf, dann entwickeln sich krankmachende, disharmonische Prozesse, die auch sehr treffend mit dem Begriff „Disharmonie-Muster“ beschrieben werden. Die Auslöser der disharmonischen Prozesse können dabei von außen in den Organismus eingedrungen oder auch im Inneren zu suchen sein. Die Ursache der Beschwerden, die Ursache von Kranksein, liegt jedenfalls immer im Inneren als energetisches Problem.
Mit Hilfe der Disharmonie-Muster kann die Art und Intensität der Beschwerden genau erkannt und ein geeignetes therapeutisches Konzept ausgearbeitet werden, wodurch der erkrankte Mensch wieder in seine Harmonie zurückgeführt werden kann.
Kleinere energetische Abweichungen, die laufend auftreten, werden durch die selbst regulierenden Kräfte des Organismus harmonisiert, ohne dass es zu einer echten Disharmonie kommen muss.

Auch das die TCM einschließende, grundlegende philosophische Konzept des Ostens, das YIN- YANG- Konzept, ist vom Harmoniebegriff durchdrungen. Es drückt aus, dass QI immer in 2 Qualitäten auftritt, und zwar in YIN- Qualität und in YANG- Qualität. Die Begriffe YIN und YANG sind nur in Relation zueinander erklär- und erlebbar, d.h. weder YIN noch YANG ist absolut für sich zu sehen und das eine wie das andere kann nur vergleichend beschrieben werden. Daher werden YIN und YANG auch als Polaritäten bezeichnet.
Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:
Ein vermehrter, aktivierender Krafteinsatz, der zu einer stärkeren Muskelanspannung bei einer Arm- oder Handbewegung führt, ist ein Aspekt des YANG. Wird die Kraft und die Spannung wieder gelöst, so kommt man in einen ruhenden Zustand, der mit YIN bezeichnet wird. Ein Muskel ist jedoch nur dann voll funktionsfähig, wenn seine beiden Aspekte, der YANG-Aspekt der Anspannung und der YIN-Aspekt des Lösens und der Ruhe gegeben sind.
Wir haben es hier mit einer für das YIN-YANG-Konzept typischen relativen und polaren Betrachtungsweise zu tun, der absolute, ausgrenzende Unterscheidungen fremd sind. So gibt es hier auch kein wertendes „entweder – oder“ sondern nur ein relativierendes, harmonisierendes „sowohl – als auch“. Dieses Prinzip des „sowohl – als auch“ bedeutet in unserem Beispiel, dass Muskelanspannung und Lösen der Anspannung nicht ausschließlich gesehen werden dürfen sondern dass beide gleichzeitig und nebeneinander im lebenden Organismus notwendig sind.

Allgemein lässt sich daraus für die Qigongpraxis ableiten, dass bei der Beeinflussung unserer Lebensenergie sowohl die YIN- als auch die YANG-Energien weiterentwickelt werden müssen. Weiter gilt, dass sowohl Energiedefizite als auch Energieüberschüsse ausgeglichen und der Energiefluss durch Abbau von Staus und Blockaden verbessert werden muss. Übergeordnetes Ziel im QIGONG ist es, in unsere Mitte zu kommen, um so in innerer und äußerer Harmonie mit allen Menschen und unserer Umwelt zu leben.

Dieser sehr weit gesteckte Weg zurück in die Harmonie ist auf 3 konkreten Ebenen zu gehen. Die 3 Ebenen werden auch als die 3 Grundsätze des Übens im QIGONG bezeichnet. Sie beziehen sich auf dieHarmonisierung des Körpers (chin.: TIAO SHEN),Harmonisierung der Atmung (chin.: TIAO XI) undHarmonisierung des Geistes (chin.: TIAO XIN).

Harmonisierung des Körpers

Durch das Erlernen von Bewegungsabläufen einer bestimmten Qigong- Form fällt zunächst auf, dass - ganz im Gegensatz zur Gymnastik oder anderen sportlichen Betätigungen - alle Bewegungen sehr langsam und ruhig, geradezu meditativ anmutend, ausgeführt werden. Dabei können wir unseren Körper in einer ganz anderen Art und Weise als gewohnt wahrnehmen. Durch die zunächst ungewohnten Bewegungsabläufe wie beispielsweise Spannungsaufbau und Stressabbau, Gewichtsverlagerungen, Heben, Senken und Drehen, das von unserer Lendenwirbelsäule und auch von den Knien ausgeht, sowie die neue Empfindung einer aufgerichteten Wirbelsäule, können wir eine neue Sicht auf unseren Körper erlangen. Wir entdecken Verspannungen, Verhärtungen und blockierte Gelenke und lösen sie durch die sanften Bewegungen des Qigong.

Hierzu hilft uns noch ein ganz wichtiger Bereich des Qigong, die Selbstmassage, die mit Anmo bezeichnet wird. Um unseren Körper zu harmonisieren, ist es ganz wichtig, dass wir uns durch Selbstmassage berühren und selbst aktiv werden. Die durch die Qigong- Übungen entdeckten Staus und Blockaden können so körperlich wie energetisch aufgelöst werden. Qigong und Anmo stellen keine Behandlung dar, die durch einen Therapeuten ausgeführt wird, sondern sie sind eigenverantwortliches Handeln. Indem wir uns selbst berühren, nehmen wir uns auch an und zwar so, wie wir sind, ohne zu werten und ohne zu urteilen. Wir nehmen uns an mit all unseren Ecken und Kanten, mit unseren Schmerzen und auch mit unseren psychischen Eigenheiten und Problemen, die häufig erst zu den Blockaden, Staus und Schmerzen geführt haben. Wir nehmen uns aber auch an mit unserem Willen zum Leben und mit unserer Lebensfreude. Denn nur mit allen Aspekten unseres irdischen Daseins sind wir vollständig und ganzheitlich. Durch Annehmen und Tun können wir an uns arbeiten und uns körperlich, psychisch und geistig weiter entwickeln. Durch Qigong und Selbstmassage gehen wir in dieselbe Richtung zur Harmonisierung unserer Körperlichkeit.

Harmonisierung der Atmung

Durch unsere neue Körperwahrnehmung kommen wir von einer normalerweise unbewusst ablaufenden zu einer bewussteren Form der Atmung. Sie entwickelt sich zunächst allein dadurch, dass wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf unsere Atmung richten. Dadurch ändert sich auch die Energiequalität im so genannten unteren DANTIAN, dem wichtigsten Energiezentrum im Unterbauch. Die Atmung wird dadurch nach unten bis in unseren Unterbauch geführt, sie wird vertiefter, rhythmisch, ruhiger und nach und nach länger. Es entwickelt sich eine für Qigong spezifische Bauchatmung, die die Energie der eingeatmeten Luft besser ausnutzt und darüber hinaus energetisch neue Atemräume im Unterbauch und im gesamten Becken erschließt.
Im weiteren Verlauf der Harmonisierung der Atmung werden ganz bestimmte Atemtechniken und Atemführungen bei den Qigong- und den Meditationsübungen eingesetzt, die mit dazu beitragen, dass der QI- Fluss insgesamt freier und zügiger verläuft. Das hat zur Folge, dass Blockaden und Staus im QI- Fluss, die durch Verfestigungen, Verdichtungen und sonstigen Durchfluss- Störungen in den Energieleitbahnen und auch im Bindegewebe durch so genannte „Speicherungen“ entstanden sind, nach und nach aufgelöst werden. Unter Speicherungen sind im weitesten Sinne in das Körper- Energiefeld eingelagerte Probleme zu verstehen, die wir selbst entwickelt haben, aber zunächst nicht lösen können, sondern in unseren Schatten (nach C.G.Jung) verdrängen, weil sie für uns zu problembeladen sind. Es sind also zu einem Großteil verdrängte Emotionen. Aus der Geschichte der TCM ist ja schon seit Urzeiten bekannt, dass gewisse Emotionen den inneren Organen schaden. Beispielsweise schädigen Angst und Schrecken, wenn wir ihnen über längere Zeit hinweg ausgesetzt sind, die Nieren. Durch die Praxis des Qigong sind mit der Zeit immer weitere Speicherungen- also über die alt bekannten Emotionen hinaus- erkannt und erforscht worden, die sich auch im weiteren Sinne mit den Körperpunkten aus der Akupunktur gut belegen lassen.
Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Speicherplätze, also die Speicherungen in ganz bestimmten Körperzonen, durch Qigong, die Harmonisierung des Körpers und die Harmonisierung der Atmung, nach und nach geleert werden, mit dem Ergebnis, dass Blockaden weichen und die verfestigten, intransparenten Speicherplätze sich durch den freien QI- Fluss zu ganz besonderen energiereichen Zonen entwickeln.

Harmonisierung des Geistes

Diese Form der Harmonisierung bezieht sich insbesondere auf die Weiterentwicklung unserer Wahrnehmungsfähigkeit zu Bewusstseinsklarheit.

Die zunächst übliche Konzentration mit der wir uns in der Außenwelt orientieren, mit der wir das, was um uns vorgeht, erfassen und erkennen und worauf wir auch entsprechend reagieren, wird beim Qigong- Üben nicht mehr so wichtig genommen. Es ist dies eine Folge unserer nach innen, in unseren Körper hinein, gerichteten Aufmerksamkeit, die schon bei der Harmonisierung des Körpers eingesetzt wurde. Zum einen können wir dadurch unseren Körper und unsere Atmung auf einer neuen, weiter entwickelten Ebene wahrnehmen und sind voll bei dem, was wir im Moment tun. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf und in unseren Körper und unser Leben im Hier und Jetzt, bleiben weder in der Vergangenheit hängen, noch schweifen wir in die Zukunft ab. Dadurch sind wir offen für Bilder und Informationen, die aus unseren tiefen, unbewussten Schichten unserer Psyche, unserer Innenwelt, auftauchen und uns so bewusst werden. Im Tagesbewusstsein können wir die vergessenen und verdrängten Problemkreise in ihrer ganzen Tiefe erkennen, daran arbeiten und nach und nach auflösen, wodurch wiederum viel Energie frei wird, die vorher benötigt wurde, um die Probleme im Unbewussten verschlossen zu halten.
Zum anderen entwickelt sich durch die neu gewonnenen Erfahrungen aus unserem Inneren heraus eine weitere, neue Qualität der Wahrnehmung, die Gewahrsamkeit. Mit Gewahrsamkeit, dem klar erkennenden Bewusstsein, können wir aus unserer harmonischen Mitte heraus die uns umgebende Welt im Außenbereich neu sehen und ohne zu werten mit liebevoller Achtsamkeit den Menschen und der Welt begegnen.
Achtsamkeit ist zu sehen als Gewahrsamkeit in allumfassender Liebe. THICH NHAT HANH, der große vietnamesische Meister, der viele Bücher über den Weg der Achtsamkeit geschrieben und vorgelebt hat, sagt:
„Achtsamkeit ist das Göttliche in der Welt und im Menschen“.

Die grundsätzlichen Aspekte und die konkreten Schritte des Qigong und der Selbstmassage konnten hier nur skizziert werden. Die Übungen selbst können sinnvoller Weise nur über eine Lehrerin, einen Lehrer vermittelt werden.

Kontakt zu Norbert Herwegh

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